Daniel Haag-Wackernagel

Taubenabwehr

 

Empfehlungen zur Abwehr und Fernhaltung von Strassentauben

 
Ein Merkblatt der Universität Basel, des Schweizer Tierschutz STS und des Veterinäramtes des Kantons Basel Stadt
 

Daniel Haag-Wackernagel, Peter Schlup und Walter Zeller

 

Bauliche Massnahmen

 

Verschliessen von Zugängen an Gebäuden durch mechanische Barrieren (z.B. Gitter, Holzbretter, Netze, Kunststoffschaum). Bei der Montage von Netzen und Gittern muss darauf geachtet werden, dass die Tauben sich nicht verfangen oder hinter den geschützten Bereich gelangen können. Montageverträge müssen regelmässige Kontrollen beinhalten: Netze müssen von den Anwenderfirmen auf Schäden überprüft werden. Beschädigte Netze und Gitter müssen entweder entfernt oder repariert werden. Tauben, die sich in Netzen verfangen haben, müssen sofort befreit werden (Meldung an die zuständige Dienststelle der Polizei, das entsprechende Veterinäramt oder den lokalen Tierschutzverein).

 

Taubenabwehrsysteme

 
Taubenabwehrsysteme müssen den Anforderungen des Tierschutzgesetzes genügen: "Art. 2, Abs. 3: Niemand darf ungerechtfertigt einem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen oder es in Angst versetzen."
Taubenabwehrsysteme die den Tauben unnötig Schmerzen und Schäden zufügen, dürfen nicht verwendet werden, da harmlose Abwehrsysteme über den gleich guten Abwehreffekt verfügen (Haag-Wackernagel D. 2000. Behavioural responses of the feral pigeon (Columbidae) to deterring systems. Folia Zoologica 49: 25–39). Dadurch ist der Einsatz von Abwehrsystemen nicht gerechtfertigt, deren Absicht es ist, die Tauben zu verletzen oder bei denen diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden kann.
Explizit nicht verwendet werden dürfen Abwehrsysteme mit scharfen Nadeln, Spitzen oder Kanten, Elektrosysteme, die mit hohen Spannungen (über 7000Volt bei 0.1A bei 10KW) betrieben werden, Vergrämungspasten (Kontaktrepellents) die das Gefieder von Vögeln irreversibel verschmutzen, sowie reizende und ätzende chemische Substanzen.
 

Negativliste (ausgewählte Beispiele)

 
 

Abwehrsysteme ohne Wirksamkeitsnachweis

Für folgende Taubenabwehrsysteme konnte bisher kein wissenschaftlich einwandfreier Wirksamkeitsnachweis erbracht werden: Ultraschallabwehrsysteme, Magnetabwehrsysteme, Magnetpulssysteme, akustische Abwehrsysteme (Alarmrufe usw.), Vogelscheuchen (z.B. Kunststoffraben, Greifvogelattrappen) und Geruchabwehrsysteme (chemische Repellents).
 

Empfohlene Taubenabwehrsysteme

 
Spanndrahtsysteme, Spikes-Systeme (Systeme mit Metall- oder Kunststoffelementen, die das Gefieder nicht durchstossen können), Daddi-Long-Legs (Edelstahldrähte die das Landen verhindern), Abwehrsysteme mit Kippelementen, Drahtspiralen (Coil system), Elektrosysteme mit tiefer Spannung oder variablem Widerstand.
 

 

Prof. Dr. Daniel Haag-Wackernagel, Anatomisches Institut der Universität Basel, Pestalozzistrasse 20, 4056 Basel, daniel.haag@unibas.ch

Peter Schlup, Zoologe, Schweizer Tierschutz STS, Dornacherstrasse 101, 4008 Basel, peter.schlup@tierschutz.com

Dr. med. vet. Walter Zeller, stellvertretender Kantonstierarzt Basel-Stadt, Kantonales Veterinäramt Basel-Stadt, Postfach 264, 4025 Basel, walter.zeller@vetamt.bs.ch

 
Basel, den 22.5.2006
 
© Universität Basel Anatomisches Institut Research Group Integrative Biology Daniel Haag-Wackernagel